Tauchen gehen – Einblick gewinnen in die Schöpfung Gottes und bei dieser einmaligen Gelegenheit ein altes Schiffswrack aufsuchen. Dies hatte ich mir zu unserer Pfingstfahrt nach Mali Losinj im Süden der Insel Cres vorgenommen.
Nach
diversen „Anläufen“ bin ich auf die Tauchbasis Sv. Martin gestossen, die
von „Szivko“ betrieben wird, einem Mann des alten Kalibers, der trotz guter
Deutschkenntnisse nicht viel spricht, aber dafür umso mehr weiß, zumindest
wenn es um maritime Dinge geht.
Leider
wurde der Terminplan kurzfristig geändert und ich fuhr mit den „Losinj
Divers“ zum Wrack der sogenannten „Tihany“, sogenannt, weil sich bezüglich
des Namens die Fragezeichen zu häufen scheinen.
Die
folgenden Informationen zum Wrack entnahm ich den Aushängen vor Ort und ich
kann infolgedessen keine Gewähr auf die Richtigkeit geben.
Das
204 BRT schwere und 45 Meter lange Schiff kollidierte am 12. Februar 1917 nach
einer Kollision mit einem anderen Schiff unweit westlich der Insel Unije. Erbaut
im Jahr 1908 in Triest erfüllte es seinen Dienst als Fracht- und
Passagierdampfer.
Der
Unfall forderte keine Todesopfer, da sich die Passagiere und die gesamte
Besatzung auf die nahe gelegene Insel retten konnten.
Die
Anfahrt mit dem nahezu perfekt ausgerüsteten Tauchboot der „Losinj Divers“
dauerte bei Bilderbuchwetter ca. 40 Minuten. Das Boot schien vor Ortungstechnik
geradezu zu bersten und der Skipper mußte aufpassen, daß er sich hinter dem
Steuerrad nicht den Kopf an den vielen Monitoren stieß, die an der Decke
montiert waren.
Zum
Leidwesen der Crew, bestehend aus 3 Kroaten und meiner Wenigkeit waren noch zwei
Italienerpärchen an Bord, die sich, vorerst Überwasser dadurch auszeichneten,
Ihre Zungen nicht zügeln zu können. Unterwasser tausche man das Wort Zunge
gegen Flosse. Ausgerüstet mit dem Feinsten und Teuersten schienen die Damen und
Herren doch vom Material überfordert zu sein, zu sehr wurde auf die Technik und
zuwenig auf die Impressionen konzentriert. Doch Zeuge hierüber sollte ich erst
auf dem Rückweg meines Tauchgangs werden.
Bedingt
durch meine Kamera-Ausrüstung kam ich in den unschätzbaren Vorzug, solo und
als erster mit 15 Minuten Vorsprung in Wasser gehen zu dürfen.
Geankert
wurde am Rand einer ca. 20 m tiefen Steilwand in ca. 7 m Wassertiefe. Langsam
ließ ich mich in die Tiefe gleiten und bei ca. 12 m Sichtweite tauchte plötzlich
wie in einem Traum der braun/graue Bug des Schiffes auf. Sagenhaft tolle
Licht-Schattenverhältnisse begleiteten mich auf meinem langsamen Weg entlang
der Backbordseite des auf der steuerbordseite und leicht heckwärts gelegenen
Schiffes.
Zwischen
Bordwand und Steilwand sind etwa 5 m Raum sodaß es keinerlei
Orientierungsprobleme gibt. Mein Weg führte über das Heck in die max. Tiefe
von 36 m. Schraube und Ruderblatt fehlten aber einige Leinen führten vom
Achterdeck weiter in die Tiefe, die gemächlich abfiel. Nach Umkreisen des Hecks
stieg ich langsam auf und glitt am Oberdeck entlang, dessen Holzplanken längst
der Vergänglichkeit zum Opfer gefallen sind und einen gigantischen Tiefblick in
die Innereien des Schiffsbauches bot. Das Eindringen hier stellt keine Probleme
dar und man kann den ganzen Bauch durchtauchen und sich an den zum Teil recht
großen Brassen erfreuen, die vor einem langsam davonziehen, um später wieder
zurückzukehren. Mittschiffs stößt man auf eine stehend angebrachte
Vierblatt-Schiffsschraube mit ca. 4m Durchmesser, wahrscheinlich die
Reserveschraube. Sehr gut zu sehen ist der große Wellentunnel, der sich durch
das ganze Schiff zieht und bei stärkerem Überlegen die angegebene Gesamtlänge
von 45 m immer unwahrscheinlicher werden lässt.
Plötzlich
große Unruhe, Bewegungen, Luftstöße wie bei Walen und Flossenbewegungen wie
bei Kampfschwimmern, die letzten 27 Meter zum Ziel gänzlich ohne Luft
meisternd. Zudem ein Scheinwerfergestrahl, als hätte man die
Lebensversicherungspolice der gerade verstorbenen Großmutter verloren, die zur
Rettung des hochverschuldeten Betriebes so dringend benötigt wird und man sich
gleich auf die Suche begibt. Die Italiener sind da ! Geführt von zwei sich in
stoischer Ruhe bewegender Kroaten, welche, soweit ich erkennen konnte, einen
beleidigten und gelangweilten Gesichtsausdruck boten, der selbst durch die
hunderten weiblichen asiatischen Croupiers in der Spieleroase Macao nahe
Hongkong nicht überboten werden konnte.
Ich
lasse die Truppe gerne unter mir in die entgegengesetzte Richtung vorbeiziehen
und verabschiedete mich mit einem letzten Blick auf die Ankerwinde und dem Bug
– derselbe Anblick wie bei der Ankunft vor 50 Minuten. Die Dekopause läßt
sich hervorragend an der Steilwand und oben am Riff bewerkstelligen und man
braucht kein Glück um noch ein paar Kraken zu finden. Um den langen
Deko-Aufenthalt gegenüber den andern nicht zu lange erscheinen zu lassen,
erwies sich meine Kamera für „Makroaufnahmen“ als geradezu ideal.
Heck
Bugmitte
Einen
Tauchgang hier kann ich jedem nur empfehlen.
Anbei
noch die Adresse von der Tauchbasis „Sv. Martin:
Diving
Center SUMARTIN, Office: Sv. Martin 41, 51550 Mali Losinj, Tel./Fax
00385-51-232035 bzw. 233640
Richard
Kühberger