Tauchbericht zur „Tihany“                      17.5.2002

 

Tauchen gehen – Einblick gewinnen in die Schöpfung Gottes und bei dieser einmaligen Gelegenheit ein altes Schiffswrack aufsuchen. Dies hatte ich mir zu unserer Pfingstfahrt nach Mali Losinj im Süden der Insel Cres vorgenommen.

Nach diversen „Anläufen“ bin ich auf die Tauchbasis Sv. Martin gestossen, die von „Szivko“ betrieben wird, einem Mann des alten Kalibers, der trotz guter Deutschkenntnisse nicht viel spricht, aber dafür umso mehr weiß, zumindest wenn es um maritime Dinge geht.

Leider wurde der Terminplan kurzfristig geändert und ich fuhr mit den „Losinj Divers“ zum Wrack der sogenannten „Tihany“, sogenannt, weil sich bezüglich des Namens die Fragezeichen zu häufen scheinen.

Die folgenden Informationen zum Wrack entnahm ich den Aushängen vor Ort und ich kann infolgedessen keine Gewähr auf die Richtigkeit geben.

 

Das 204 BRT schwere und 45 Meter lange Schiff kollidierte am 12. Februar 1917 nach einer Kollision mit einem anderen Schiff unweit westlich der Insel Unije. Erbaut im Jahr 1908 in Triest erfüllte es seinen Dienst als Fracht- und Passagierdampfer.

Der Unfall forderte keine Todesopfer, da sich die Passagiere und die gesamte Besatzung auf die nahe gelegene Insel retten konnten.

 

Die Anfahrt mit dem nahezu perfekt ausgerüsteten Tauchboot der „Losinj Divers“ dauerte bei Bilderbuchwetter ca. 40 Minuten. Das Boot schien vor Ortungstechnik geradezu zu bersten und der Skipper mußte aufpassen, daß er sich hinter dem Steuerrad nicht den Kopf an den vielen Monitoren stieß, die an der Decke montiert waren.

Zum Leidwesen der Crew, bestehend aus 3 Kroaten und meiner Wenigkeit waren noch zwei Italienerpärchen an Bord, die sich, vorerst Überwasser dadurch auszeichneten, Ihre Zungen nicht zügeln zu können. Unterwasser tausche man das Wort Zunge gegen Flosse. Ausgerüstet mit dem Feinsten und Teuersten schienen die Damen und Herren doch vom Material überfordert zu sein, zu sehr wurde auf die Technik und zuwenig auf die Impressionen konzentriert. Doch Zeuge hierüber sollte ich erst auf dem Rückweg meines Tauchgangs werden.

Bedingt durch meine Kamera-Ausrüstung kam ich in den unschätzbaren Vorzug, solo und als erster mit 15 Minuten Vorsprung in Wasser gehen zu dürfen.

Geankert wurde am Rand einer ca. 20 m tiefen Steilwand in ca. 7 m Wassertiefe. Langsam ließ ich mich in die Tiefe gleiten und bei ca. 12 m Sichtweite tauchte plötzlich wie in einem Traum der braun/graue Bug des Schiffes auf. Sagenhaft tolle Licht-Schattenverhältnisse begleiteten mich auf meinem langsamen Weg entlang der Backbordseite des auf der steuerbordseite und leicht heckwärts gelegenen Schiffes.

Zwischen Bordwand und Steilwand sind etwa 5 m Raum sodaß es keinerlei Orientierungsprobleme gibt. Mein Weg führte über das Heck in die max. Tiefe von 36 m. Schraube und Ruderblatt fehlten aber einige Leinen führten vom Achterdeck weiter in die Tiefe, die gemächlich abfiel. Nach Umkreisen des Hecks stieg ich langsam auf und glitt am Oberdeck entlang, dessen Holzplanken längst der Vergänglichkeit zum Opfer gefallen sind und einen gigantischen Tiefblick in die Innereien des Schiffsbauches bot. Das Eindringen hier stellt keine Probleme dar und man kann den ganzen Bauch durchtauchen und sich an den zum Teil recht großen Brassen erfreuen, die vor einem langsam davonziehen, um später wieder zurückzukehren. Mittschiffs stößt man auf eine stehend angebrachte Vierblatt-Schiffsschraube mit ca. 4m Durchmesser, wahrscheinlich die Reserveschraube. Sehr gut zu sehen ist der große Wellentunnel, der sich durch das ganze Schiff zieht und bei stärkerem Überlegen die angegebene Gesamtlänge von 45 m immer unwahrscheinlicher werden lässt.

 

Plötzlich große Unruhe, Bewegungen, Luftstöße wie bei Walen und Flossenbewegungen wie bei Kampfschwimmern, die letzten 27 Meter zum Ziel gänzlich ohne Luft meisternd. Zudem ein Scheinwerfergestrahl, als hätte man die Lebensversicherungspolice der gerade verstorbenen Großmutter verloren, die zur Rettung des hochverschuldeten Betriebes so dringend benötigt wird und man sich gleich auf die Suche begibt. Die Italiener sind da ! Geführt von zwei sich in stoischer Ruhe bewegender Kroaten, welche, soweit ich erkennen konnte, einen beleidigten und gelangweilten Gesichtsausdruck boten, der selbst durch die hunderten weiblichen asiatischen Croupiers in der Spieleroase Macao nahe Hongkong nicht überboten werden konnte.

Ich lasse die Truppe gerne unter mir in die entgegengesetzte Richtung vorbeiziehen und verabschiedete mich mit einem letzten Blick auf die Ankerwinde und dem Bug – derselbe Anblick wie bei der Ankunft vor 50 Minuten. Die Dekopause läßt sich hervorragend an der Steilwand und oben am Riff bewerkstelligen und man braucht kein Glück um noch ein paar Kraken zu finden. Um den langen Deko-Aufenthalt gegenüber den andern nicht zu lange erscheinen zu lassen, erwies sich meine Kamera für „Makroaufnahmen“ als geradezu ideal.

 

Heck

Bugmitte

Einen Tauchgang hier kann ich jedem nur empfehlen.

Anbei noch die Adresse von der Tauchbasis „Sv. Martin:

Diving Center SUMARTIN, Office: Sv. Martin 41, 51550 Mali Losinj, Tel./Fax 00385-51-232035 bzw. 233640

 

Richard Kühberger