Die
Geheimnisse des Ojikoto-Sees
Juli 1915. Die Lage war fatal. Der Feind, das waren die
zahlenmäßig weit überlegenen Streitkräfte des Commonwealth aus Südafrika
unter der Führung von General Louis Botha, stand nur noch 30 Km südlich der
letzten Verteidigungsstellungen und die Hoffnung auf ein glückliches Ende des
Kampfes war dahin. Die deutsche Schutztruppe hatte einen einjährigen, harten
und erfolgreichen Widerstand geleistet. Die kaum 3 000 Mann zählende Truppe,
die überwiegend aus Reservisten bestand, hatte den Südafrikanern im Laufe des
letzten Jahres empfindliche Niederlagen bereitet und das Vorrücken der fast 60
000 Mann starken Feindverbände stets verzögern können. Aber was hilft es,
wenn man zwar die besseren Soldaten hat, aber keinen Nachschub. Die Munition
reichte schließlich kaum noch zur Gefechtsführung, die notwendigen Ersatzteile
für so manches Gerät wurden schmerzlich vermisst und die Verpflegungssituation
war bei einigen Einheiten geradezu desperat. Dazu kam die stets deutliche
numerische Überlegenheit des Gegners. Schlug man einen Verband, kamen gleich
zwei andere nach. Die Häfen Swakopmund und Lüderitz hatte man schon früh
aufgeben müssen. So verlagerte sich der Kampf mehr und mehr in den Norden der
Kolonie, bis man letztlich den Raum Tsumeb – Grootfontein - Otavi erreicht
hatte. Am 04.07.1915 schlug die Schutztruppe das letzte Gefecht, bei dem sie den
Gegner stoppen konnte, sich dennoch danach zurückziehen musste um nicht
eingekesselt zu werden.
Selbst der wohl vorbildlichste Offizier der Schutztruppe
Deutsch-Südwest-Afrikas, der Oberstleutnant Viktor Franke, in seiner letzten
Funktion als Kommandeur der Schutztruppe, sah in dieser Lage nur noch den Weg in
eine einigermaßen ehrenvolle Kapitulation. Diese war bereist durch Vorgespräche
zwischen dem letzten deutschen Gouverneur Seitz und General Botha vorbereitet.
So kam es in der Nacht vom 08.auf 09.07.1915 zu jenem Befehl, den Artilleriepark der Schutztruppe dadurch dem Zugriff des Feindes zu entziehen, dass man die Geschütze im Ojikoto-See versenkte. Ein Feldwebel und ein paar Helfer zündeten Munitionskisten am Ufer des Sees an um die makabre Szenerie zu beleuchten. Dann rumpelten die Lafettenräder über die groben Felsen und ein Geschütz nach dem anderen stürzte in den See um dort auf eine Tiefe von bis zu 80 Metern zu versinken.
Deutsche Krupp Feld- und Gebirgsgeschütze der Kaliber 3,7 und 7,5cm, erbeutete britische Feldartillerie und von der Kriegsmarine stammende 3,7cm Revolverkanonen und die Restmunition sanken ebenso wie ein großer Tresor, dessen Inhalt bis heute ungeklärt ist, in den sehr dunklen Tiefen des Sees. Als einige der schwarzen Hilfskräfte dann auch noch eine Munitionskiste ist Feuer warfen, in der noch Signalmunition war, wurde das anschließende Feuerwerk zum Fanal der Geschichte von DSWA.
Am Tag danach kapitulierte die Schutztruppe. Der Kampf um Deutsch-Südwest-Afrika war zu Ende.
Südafrika besetzte das Gebiet und machte es über
Jahrzehnte hinweg zu „seiner“ Kolonie, einem Mandatsgebiet, offiziell
sanktioniert durch den Völkerbund und später den Vereinten Nationen. Später
setzte sich die SWAPO durch und übernahm die Regierung. Nunmehr sollte das Land
NAMIBIA heißen. Na ja.
Jahrzehnte gingen ins Land und die alten Kriegsgeräte auf
dem Grunde des Ojikoto-See ruhten unangetastet und gut konserviert in dem säurearmen
Wasser und dem schützenden Schlamm, der die Korrosion verhinderte.
Der See, eigentlich eine riesige Doline, die sich über die
Jahrhunderte mit Wasser gefüllt hatte, wurde in den Folgejahren zur Bewässerung
des umliegenden Farmlandes und zur Wasserversorgung von Tsumeb verwendet. In der
Folge sank der Wasserspiegel zunehmend.
Wie auf den Bildern erkennbar, liegt der Wasserspiegel heute ca. 20m tief. Damals stand das Wasser fast bis zum Rand des heutigen Steilufers.


In Tsumeb hatte man die Erinnerung an die Vorgänge der Jahre 1914/15 durchaus noch im Gedächtnis. Und als in Windhuk in den 70er Jahren eine Polizei-Tauch-Sportgruppe sich formiert hatte, wurde schnell der Ojikoto-See zum erklärten Ziel. Doch man musste rasch feststellen, dass der See eine geradezu beängstigende Tiefe hatte, die man vorher nur vermuten konnte. Heute weiß man, das der See bis zu 120 Metern tief in ein Höhlensystem hineinreicht.
Die mit Pressluft ausgestatteten Taucher erreichten bei 50 Metern die ersten Geschütze. Rasch hatte man eine Bergung ins Auge gefasst. Die schlechte Sicht, die dunkle Stimmung im See schreckte sie nicht.
Die ersten Bergungsversuche verliefen aber tragisch. Zwei Taucher verloren ihr Leben, einer büßte seine rechte Hand ein, die ihm von einem Stahlseil abgequetscht wurde.
Dennoch ließen die Männer nicht locker und Ende der 80er Jahre waren etliche der Geschütze und deren Zubehör geborgen. Die weit tiefer liegenden Geschütze und der mysteriöse Tresor liegen immer noch im See. Man weiß noch von 8 Krupp-Feldkanonen 7,5cm ,


2 Maschinenkanonen 3,7cm , 2 Revolverkanonen 3,7cm ,
4 Gebirgskanonen im Kaliber 7cm und 3 Gebirgskanonen im Kaliber 6cm. Ein
Fernsehteam war zuletzt mit den Windhuker Tauchern 1995 bis auf 60m Tiefe
abgetaucht und hatte interessantes Filmmaterial mitgebracht, welches bereits im
ZDF in der Reihe „Expeditionen“ gezeigt wurde.
Seitdem herrscht ein absolutes Tauchverbot an diesem See!
Heute sind die geborgenen, erstklassig restaurierten Stücke im Museum von Tsumeb ausgestellt. Dieses Museum ist das Kind einer der großartigsten Frauen des Landes. Frau Ilse Schatz, trug mit Liebe und Akribie die Stücke zusammen, die heute das ganz besondere an ihrem Museum sind. Die Verbindung zwischen der deutschen Geschichte von „Südwest“ und der Kultur der San- Buschleute ist ein einmaliger Balanceakt der Frau Schatz in beeindruckender Weise gelungen ist.
Wer an der Geschichte, den deutschen Wurzeln Namibias, des ehemaligen Schutzgebietes interessiert ist, kommt am Museum in Tsumeb nicht vorbei.
Wer weitere Informationen zum Thema Geschichte von DSWA und Namibia haben möchte kann sich gerne an mich wenden. Meine e-Mail Adresse lautet: