Protokoll 1999

 

Die Wracks an der Südspitze Istriens waren erneut das Ziel einer Exkursion der Forschungsgesellschaft für Schiffsarchäologie. Vom 22. - 31-10.1999 wurden die Gewässer rund um das Kap Premantura nach den Resten einiger Kriegs- und Handelsschiffe systematisch durchsucht.

Allerdings bremste das Wetter den Forschungsdrang der FOGESA-Leute zunächst. Kaum waren die Reste einer Bora abgeklungen, schob der von Süden kommende Jugo eine grobe See vor sich her, die Tauchgänge vom Boot aus unmöglich machten. Unter zum Teil abenteuerlichen Umständen wurden Küstenplätze von Land aus angefahren. Um so besser waren dann die Vorbereitungen zu den folgenden Tauchgängen.

Im Jahre 1918, kurz nach Kriegsende, sank nahe Premantura ein italienischer Zerstörer, der einer Mine zum Opfer fiel. Das Wrack der "CESARE ROSSAROL" war erst vor wenigen Monaten wiederentdeckt worden und zog logischerweise die Aufmerksamkeit der FOGESA auf sich. Die Tauchgänge an diesem Zerstörerwrack brachten ein Gesamtbild des gut erhaltenen Wracks , sowie aufschlußreiche Video- und Photoaufnahmen zu den Details dieses historisch interessanten Schiffes zu Tage. Die "CESARE ROSSAROL" gehörte zu den großen Zerstörern der Mirabello-Klasse, die im Ersten Weltkrieg als sogenannte Flottillenführer federführend in den Seekriegsoperationen der italienischen Kriegsmarine wirkten. Sie stand von der Indienststellung bis zu ihrem Ende beinahe ununterbrochen im Einsatz und hatte etliche Gefechtshandlungen zu durchstehen.

Heute liegt das Wrack in relativ gutem Zustand auf einer Tiefe von ca. 42 Metern. Die Aufbauten des auf der Backbordseite liegenden Wracks sind natürlich bereits dem Zahn der Zeit anheimgefallen. Zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten ermöglichen des Eindringen in diverse Unterdecksräume.

Der zahlreich vorhandenen Munition wegen, ist das Betauchen der "CESARE ROSSAROL" allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die Postion dieses Wracks wurde von den FOGESA-Angehörigen mit genauen Messungen festgehalten.

Die "FLAMINGO", ein österreichisches Torpedoboot aus dem Ersten Weltkrieg, welches die FOGESA`s bereits im letzten Jahr betaucht hatten, lohnte einen weiteren Tauchgang - zumal noch einiges zu erforschen war. Auch dieses Minenopfer gehört zu den historisch interessanten Wracks der Adria. Mit neuem Bildmaterial kann nun die Wrackerforschung der "FLAMINGO" fortgesetzt werden.

Natürlich spielte auch der Zufall erneut eine Rolle bei der Entdeckung eines neuen, bislang unbekannten, großen Handelschiffwracks. Bei einer Bergeaktion von Fischereiausrüstung stießen die FOGESA´s in der Folge auf dieses Wrack, welches nach einer ersten Begutachtung aus der Zeit um die Jahrhundertwende stammen könnte. Der gute Gesamtzustand und die bauliche Geschlossenheit des Wracks lassen eine rasche Identifikation und Zuordnung möglich erscheinen. Doch hier beginnt die Arbeit der FOGESA erst. Die Recherchen haben bereits begonnen.

Dem Schicksal eines ehemals deutschen Lazarettschiffes, der Tübingen ging die FOGESA schon seit einiger Zeit nach. Nun, nach Recherchen vor Ort und Tauchgängen an der Untergangsstelle konnte schließlich aufgrund einiger Fundstücke das Endschicksal dieses Schiffes ermittelt werden. Die "TÜBINGEN", ein ursprünglich französisches Seebäderschiff, war 1941 von der Reichskriegsmarine übernommen und als Lazarettschiff in Dienst gestellt worden. Sie versah einen regelmäßigen Dienst zwischen Afrika und Europa. In flagranter Weise wurden 1945 die deutlich sichtbaren Rot-Kreuz-Kennzeichnungen mißachtet und das Schiff von britischen Kampffliegern mit Raketen angegriffen und in Brand gesetzt. Dem Kapitän der "TÜBINGEN" gelang es noch, sein Schiff so dicht an die Küste zu bringen, daß fast alle Verwundeten und Besatzungsmitglieder gerettet werden konnten.

Das Wrack dieses Schiffes wurde - das ist nun nach der diesjährigen Erforschung endgültig klar - von der jugoslawischen Bergungsfirma Brodospas in den 50er Jahren gehoben und abgewrackt. An der Untergangsstelle jedoch befinden sich noch Reste des Wracks. Masten, Aufbauten, Rettungsboote und Inventar, wie Geschirr sind für die FOGESA`s beredte Zeitzeugen und machten letztlich eine klare Zuordnung möglich.

Die FOGESA`s waren mit der Ausbeute der Herbstexpedition durchaus zufrieden. Wie so oft allerdings fand man mehr Fragen als Antworten und der trockene Teil der Forschungsarbeit in Archiven und Bibliotheken geht verstärkt weiter. Im Frühjahr 2000 ist eine weitere Fahrt geplant.

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