Auf Alexanders Spuren

Archäologisches Tauchen in der Sahara

 

Ganz ungewohnte Wege gingen Richard Kühberger und Heinz Vohl nach absolvierter Ausbildung zum archäologischen Taucher bei der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie e.V.  folgten sie dem Ruf der Wissenschaft und nahmen einen Forschungsauftrag in der ägyptischen  Wüste wahr.

Dort graben deutsche und ägyptische Archäologen seit Jahren in der Oase Siwa an den historisch bedeutenden Stätten der Ptolemäer und Römer mit großem Erfolg. Hier liegt der sagenumwobene Orakeltempel, in dem sich Alexander der Große seine Zukunft weissagen ließ, hier liegt auch ein Tempel, der zuweilen auch als sein Grab gedeutet wird.

Der Orakeltempel, zentraler Bestandteil der Ruinenanlage von Siwa.

Die Ruinen des ehemals prächtigen Shali, der Hauptstadt der Siwaner, die Ruinen des sagenhaften Amun-Tempels und tausende von Grabanlagen gehören zum kulturellen Erbe dieses herrlichen Ortes.  In Siwa gibt es aber auch mehrere tausend Jahre alte Brunnen, die das Interesse des Ausgrabungsleiters weckten.

Brunnenanlage, die bis auf die Zeit Herodots zurückreicht.

So erging der Ruf nach Tauchern, die in den Brunnnen nach archäologisch verwertbarem Material suchen sollten. Die FOGESA-Mitarbeiter folgten dieser Anfrage nur allzu gerne, lockte doch sowohl die Aussicht auf taucherisch jungfräuliches Gebiet ebenso, wie die zauberhafte Schönheit der größten Oase Ägyptens. Unterstützt wurden die Forscher durch einen ägyptischen Freund, der die Organisation vor Ort, den Transport und einiges an Ausrüstung beisteuerte.

Die beschwerliche Anreise von über 900 Km auf staubigen Wüstenstraßen unter Mitnahme von über 50 Kg Tauchgepäck, dazu Kompressor, Tauchflaschen,  Markierungs- und Vermessungsmaterial, Metallsuchsonden und Photo und Videoausstattung war bald überstanden.

In den folgenden Tagen wurden die ältesten Brunnen Siwas intensiv betaucht. Nicht lange konnte man sich an der imposanten Brunnenarchitektur erfreuen, zu sehr nahmen Vermessung, Sondierung und Bergung in Anspruch. Das 20 Millionen Jahre alte  kristallklare Brunnenwasser erleichterte die Arbeit, die Sichtverhältnisse waren entsprechend gut.

UW-Aufnahme des Brunnen Koreishet

Leider war die Ausbeute an auswertbaren Artefakten gering. Die  wenigen Scherben, die gefunden wurden, waren von geringer Aussagekraft und hatten bestenfalls enigmatischen Charakter, auch Münzen die dem bis zu 50cm tiefen Sediment entnommen wurden, waren aus neuerer Zeit. Viel Zivilisationsmüll musste beiseite geräumt werden und das dann aufgewühlte Sediment nahm den Tauchern oft die Sicht.

Doch letztlich zählte das Gesamtergebnis: die Brunnen können aufgrund ihrer Bauweise und der wenigen Fundstücke nun genauer datiert werden. Die Enttäuschung über die magere Fundausbeute hielt sich in Grenzen. 

Nebenbei befreiten die Taucher noch einen Brunnen von einem voodoo-ähnlichen Bann, indem sie auf Geheiß des örtlichen Imams persönliche Gegenstände bargen, die dann mit geweihtem Wasser von ihrem Fluch befreit wurden. Andere Länder, andere Sitten.

Einen besonderen Tauchgang konnten die FOGESA-Mitarbeiter noch in einem Süßwassersee, mitten in der prächtigen Dünenlandschaft der Saharawüste, dem Bir Wahet, machen. Als erste Menschen tauchten sie in diesem überraschend kühlen Gewässer, in der nahegelegenen Thermalquelle konnten sie sich dann wieder aufwärmen. Auch das ist Siwa.

Am Ende des Abenteuers stand die Gewissheit, an einem unvergleichlichen Ort  gewesen zu sein, mit freundlichen, offenen Menschen zusammengelebt und gearbeitet zu haben und dabei der Wissenschaft noch einen Dienst erwiesen zu haben.

 Wer Interesse hat, diesen einzigartigen Ort mit seinem orientalischen Flair und ursprünglichen Lebensweise seiner Bewohner kennenzulernen, kann sich gerne an die FOGESA wenden, gerne werden Adressen und Informationen weitergegeben.

h.v.