Protokoll 2001

 

Hindergrund zur Suche nach der Medusa

Die Expedition 2001

Diesmal sollte eine größere Teilnehmerzahl erreicht werden. Daher ging die FOGESA an die örtliche Presse um auf die Expedition aufmerksam zu machen. Einem guten Artikel mit Titelseite und einem Fernsehinterview im regionalen Fernsehen  folgend meldeten sich dann auch einige Personen, deren Interesse dann aber zum Zeitpunkt der Fahrt stark nachließ und die Abmeldungen in der letzten Woche vor der Fahrt ihren Höhepunkt erreichten. Auch aus den Reihen der FOGESA selbst wurde kein großes Team gebildet, vielmehr waren es erneut nur drei Taucher, die letztlich auf die Suche nach dem Wrack gingen.

Ergebnis der Expedition vom 27.10. – 03.11.01 

Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl der Expedition verzögerte sich das Eintreffen des Teams um einige Tage. Richard Kühberger war als erster vor Ort und übernahm die Recherchen. Im Laufe des vergangenen Jahres hatte Bato Vitez inzwischen einiges über die MEDUSA und ihren Verbleib herausfinden können. Seine guten Kontakte zur Marine und Behörden hatten Früchte getragen. So erbrachten seine Nachforschungen folgendes Bild: 

Tatsächlich scheint die ursprüngliche  Untergangsstelle der MEDUSA bei Plic Albanez zu liegen, die Aussagen einiger alter Fischer, die sich an den Vorgang gut erinnern konnten, scheinen dies zu bestätigen. Die von der THORN abgefeuerten Torpedos trafen östlich der Halbinsel Premantura auf die Felseninseln Fenera und Fenoglia. Einer soll sogar im Bereich der Bucht von Medulin gefunden worden sein.  Auch die Literaturangabe (Bendert) und der alte Zwangsweg zwischen Albanez und Porer hindurch hätte somit seine Bestätigung gefunden.

 Und nun wird es interessant: Im Jahre 1948 soll die yug. Kriegsmarine versucht haben, das Wrack zu heben und in den Hafen von Pula zu schleppen. Welche Absichten damit verbunden waren, konnte nicht eruiert werden.  Immerhin war es in den Jahren nach dem Kriege durchaus gängige Praxis, Kriegsgerät zu bergen und zu nutzen. ( In diesem Zusammenhang sei die Bergung des ex-ital. U-Boots NAUTILO erwähnt, welches nach 1943 von der dt. Kriegsmarine als UIT 19 in Dienst gestellt worden war. Nach dessen Versenkung durch eine Fliegerbombe lag das Wrack bis 1947 vor Pula und wurde von der yug. Kriegsmarine gehoben, repariert und ab 1949 als SAVA in Dienst gestellt, den sie bis in die 60er Jahre versah.)

Vielleicht hoffte man, mit der MEDUSA ähnlich vorgehen zu können, wogegen allerdings das fortgeschrittene Alter einerseits und die durch den Torpedotreffer doch sehr starke Zerstörung der Rumpfstruktur andererseits spräche.

Wie auch immer, es gab Zeugenaussagen, die sowohl die Bergung, als auch das Abschleppen nach Pula bestätigten. Und auch eine weitere interessante Information kam zu Tage: Kurz vor der Hafeneinfahrt nach Pula habe dann an Bord des geschleppten Wracks eine Explosion stattgefunden, die das sofortige Absinken der Medusa auf ihren heutigen Standort hatte. 

In der Unterwasserhinderniskarte der Schleppnetzfischer vor Pula gibt es einige markante Objekte, die daraufhin das Interesse von Bato Vitez erregten. Und schon der erste Tauchgang, den Bato Vitez und Richard Kühberger am Montag, den 29.10.2001 machten, brachte den überraschenden Erfolg. Man war auf ein U-Bootwrack gestoßen, welches in drei Teile zerbochen auf 38,5 Metern Tiefe lag. Die Turmreste waren von Netzen verhangen und die Rumpfstruktur an vielen Stellen aufgebrochen. Der Maschinenraum lag frei und an mehreren Stellen konnte man die Bauweise nachvollziehen. Das Tauchteam (J. Kraußer und Heinz Vohl) unternahm in den folgenden Tagen einige sehr intensive und

tauchtechnisch an der Grenze des Presslufttauchens Machbaren liegende Tauchgänge. In der Folge wurden Netze entfernt, Messungen vorgenommen, Kamerasondierungen im Wrackinnernen  und Kaliberbestimmungen von reichlich herumliegender Artilleriemunition durchgeführt. Insbesondere die Suche nach einem Evidenzstück nahm einen großen Raum bei diesen Tauchgängen ein, führte aber leider zu keinem greifbaren Erfolg. Nachvollzogen werden konnten die Bergungs- und  Schleppaktionen, von denen noch große Mengen an Stahltrossen und in den Rumpf geschweißten Durchlässen erkennbar waren.

  

Die Ergebnisse im Einzelnen:

 

  1. Die Kaliberbestimmung der Artilleriegeschosse ergab eine Übereinstimmung mit der auf der MEDUSA verwendeten artilleristischen Ausstattung. (MEDUSA 10,2cm Marinegeschütz) Die Munition ist im Übrigen noch als scharf und gefährlich anzusehen. Geringe Oberflächenkorrosion und gut erkennbar eingeschraubte Aufschlagzünderköpfe mit übereinstimmender Einstellmarke machen Berührungen dieser Munition zu einem Hazardspiel. Wir haben daher weitgehend auf Berührungen verzichtet. Das Geschütz selbst fehlt am Wrack, auf der Geschützplattform sind Bolzen und Verschraubungen mit offensichtlichen Schnittspuren zu erkennen gewesen. Dies lässt auf  eine separate Abbergung des Geschützes schließen.

 

  1. Die Vermessung der Breitenverhältnisse des Bootsrumpfes ergab eine annähernd sichere Übereinstimmung mit den Bauangaben der MEDUSA (5,65m Medusa – 5,75m gemessen) Hier könnte allerdings das Messverfahren (Leine) und die Unebenheiten auf der Rumpfoberseite, sowie eine gewisse Ungenauigkeit bei Unterwasserarbeiten in größeren Tiefen eine Rolle bei der Erklärung der Differenz spielen.

 

  1. Die Positionierung der Turmvorderkante, die aufgrund eines Umbaus im Frühjahr 1942 sehr markant für die MEDUSA war, konnte nach Entfernen der Netze gut gesehen werden. 

 

  1. Bauform, Bautechnik und Baumaße sind nach Meinung aller beteiligten Taucher mit der MEDUSA übereinstimmend. Es handelt sich um ein „Einhüllenboot“ mit großen Wülsten, nicht geschweißt, sondern genietet, wie es dem Bauverfahren bis 1932 entsprach.

 

  1. Leider liegen uns noch nicht die Baupläne aus Italien vor. Anhand dieser Pläne können dann im Folgenden die Lage von diversen Luken und Außenschlüssen nachvollzogen werden.

 

  1. Im Seegebiet vor Pula – und das haben wir bei der Recherche sehr weit gefasst – ist kein anderes Objekt bekannt, welches auch nur annähernd mit der MEDUSA zu verwechseln wäre. Die Übereinstimmungen von Pkt. 1-4, sowie die Aussagen der Zeitzeugen, die deutlichen Hinweise auf den Bergungsversuch von 1948 und die gründliche Recherche nach U-Bootsabgängen in der nördlichen Adria (seit 1914!!) ergibt  ein nachgerade zwingendes Bild, welches uns zum Schluß kommen lässt, die MEDUSA gefunden und ihr Endschicksal aufgeklärt zu haben.

 

 

Fürsteneck, 06.11.2001

 

Heinz  P. Vohl